Behandeln ohne Kontakt - So funktioniert Telemedizin

Die Corona-Pandemie hat binnen weniger Wochen zu einem Boom bei der Telemedizin geführt. Aus Angst vor Ansteckung nutzen viele Patienten lieber die Video- oder Telefonsprechstunde ihres Arztes, als persönlich in die Praxis zu kommen. Doch wie läuft der kontaktlose Arztbesuch ab und welche Vorteile bringt er? Welche rechtlichen Vorgaben gelten für ärztliche Ferndiagnosen und Behandlungen? Und wer zahlt am Ende die Rechnung? Hier sind die wichtigsten Infos zum Thema Telemedizin.​

Bis zur Corona-Krise hat die Telemedizin im deutschen Gesundheitssystem keine große Rolle gespielt. Doch mit Covid-19 ist die Bedeutung digitaler Sprechstunden für die Patientenversorgung schlagartig gestiegen. Daran haben auch gesetzliche und private Krankenkassen ihren Anteil, die die Kosten für telemedizinische Leistungen übernehmen.


Rückenwind für die Telemedizin kommt auch vom GKV-Spitzenverband und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): Angesichts der Pandemie haben sich die Verbände darauf verständigt, die bis vor kurzem bestehende Begrenzung der Zahl der Videosprechstunden pro Arzt zunächst bis Juni 2020 auszusetzen. Ärzte dürfen somit unbeschränkt vielen Patienten digital helfen. Ein wichtiger Schritt, um Infektionen durch direkten Kontakt mit Erkrankten in den Praxen zu vermeiden.

Schnelle medizinische Hilfe in der virtuellen Sprechstunde

Mittlerweile bieten bundesweit rund 20.000 Ärzte und Therapeuten Videosprechstunden an. Patienten müssen nicht mehr im überfüllten Wartezimmer Platz nehmen, sondern konsultieren ihren Arzt digital per PC, Tablet oder Smartphone mit Kamera. In die virtuelle Arztpraxis geht’s bequem per App oder über einen Internet-Link plus Zugangscode vom Arzt. Alternativ können Patienten auch über Dienstleister wie Jameda oder Teleclinic einen Mediziner sprechen. Die Medizin-Startups vermitteln kurzfristig einen Online-Kontakt zwischen Arzt und Patient.


Die digitale Sprechstunde hat Vorteile für beide Seiten. Am wichtigsten für den Arzt: Er spart Zeit. Ein Video-Patientengespräch dauert im Schnitt nur fünf Minuten. So kann der Mediziner deutlich mehr Patienten als in der Praxis behandeln. Auch zusätzliche Arbeiten wie das Desinfizieren des Behandlungszimmers entfallen bei virtuellen Besuchern.

Telemedizin bringt bessere Versorgung auf dem Land

Die Patienten bekommen in der Regel viel schneller einen Termin und damit Zugang zu medizinischer Versorgung und sparen die Anfahrt in die Praxis. Ein Vorteil vor allem für ältere und körperlich eingeschränkte Personen. Auch die medizinische Versorgung auf dem Land wird sich durch Videosprechstunden nach Einschätzung von Gesundheitsexperten langfristig verbessern. Bei Bedarf ist der vertraute Hausarzt auch digital aus dem Ausland erreichbar – das bringt mehr Sicherheit auf Reisen.

Schließlich profitieren Patienten auch davon, dass der Gesetzgeber die bislang geltenden strengen Bestimmungen für die Telemedizin schrittweise gelockert hat. Ärzte dürfen nun auch online Krankschreibungen und Rezepte ausstellen und sie dem Patienten direkt aufs Handy schicken.


Trotz aller Vorteile stößt die Telemedizin bei schwerwiegenden Erkrankungen an ihre Grenzen. Auch in der Radiologie und bei Orthopäden ist digitale Fernsprechstunde kein passendes Modell. Hier wird auch in Zukunft der persönliche Besuch beim Arzt notwendig.

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Ronny Meßmann

Versicherungskaufmann

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